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Erklärt · 7 Min. Lesezeit

Säurefrei und ligninfrei: was es bedeutet und wann es zählt

Fast jedes Scrapbooking-Papier verspricht, säurefrei zu sein. Was Säure und Lignin mit deinen Fotos machen, was die Labels wirklich sagen und worauf du achten musst und worauf nicht.

Stapel alter, vergilbter Briefe und Umschläge, im Vordergrund ein handgeschriebenes Blatt vor grünem Hintergrund
Foto: Pixabay · Pexels

Auf fast jeder Packung Scrapbooking-Papier steht es: acid-free, säurefrei. Oft steht auch lignin-free dabei, manchmal archival oder photo safe. Das klingt wichtig, aber nur wenige wissen, was es genau bedeutet. Hier liest du, was Säure und Lignin mit deinem Papier und deinen Fotos machen, welche Labels etwas aussagen und worüber du dir wirklich Gedanken machen musst.

Was Säure im Papier anrichtet

Papier hat wie Wasser einen pH-Wert. Unter 7 ist es sauer, genau 7 ist neutral und darüber ist es basisch. Säurefreies Papier hat einen pH-Wert von 7 oder etwas höher.

Saures Papier zerfällt langsam. Die Fasern werden schwächer, das Papier vergilbt und wird spröde, bis die Ränder zu bröckeln beginnen. Licht, Wärme und Feuchtigkeit beschleunigen diesen Prozess.

Für Fotos ist das besonders ärgerlich, weil Säure nicht in ihrem eigenen Blatt bleibt. Sie wandert in alles über, was daran anliegt, das nennt man Säurewanderung. Ein Foto auf einem sauren Hintergrund kann sich dadurch verfärben oder Flecken bekommen. Du siehst den Effekt auch bei einem Zeitungsausschnitt, der jahrelang zwischen zwei Seiten gelegen hat: Oft hinterlässt er einen braunen Abdruck auf dem Papier daneben.

Wer schon einmal ein altes Magnetalbum aufgeschlagen hat, kennt das Ergebnis. Die Kartonseiten, der Kleber und die Folie geben zusammen Stoffe ab, die Fotos vergilben lassen, Flecken auf der Rückseite verursachen und sie festkleben.

Lignin macht Papier gelb

Lignin ist ein natürlicher Stoff im Holz, der die Fasern zusammenhält, eine Art Klebstoff der Pflanze. Papier aus Holzzellstoff enthält diesen Stoff, außer er wird bei der Herstellung entfernt.

Unter dem Einfluss von Licht, Luft, Wärme und Feuchtigkeit zerfällt Lignin. Dabei entstehen Säuren und das Papier färbt sich gelb bis braun. Zeitungspapier steckt voller Lignin, und eine Zeitung, die ein paar Tage in der Sonne auf der Fensterbank liegt, zeigt, wie schnell das gehen kann.

In den Niederlanden begegnet dir auch das Wort houtvrij (holzfrei). Das bedeutet nicht, dass kein Holz im Papier steckt, sondern dass es nicht aus Holzschliff hergestellt ist. Den Fasern wurde der Großteil des Lignins chemisch entzogen. Viel normales weißes Druckerpapier ist holzfrei.

Säurefrei ist nicht dasselbe wie ligninfrei

Die beiden Begriffe werden oft in einem Atemzug genannt, aber es sind unterschiedliche Eigenschaften.

  • Säurefrei: Das Papier ist zum Zeitpunkt der Herstellung neutral oder leicht basisch.
  • Ligninfrei: Das Lignin wurde entfernt, sodass später keine neuen Säuren daraus entstehen können.

Papier kann säurefrei aus der Fabrik kommen und trotzdem Lignin enthalten. Dann ist es jetzt neutral, bildet aber mit der Zeit doch noch Säuren. Deshalb stehen auf gutem Scrapbooking-Papier beide Begriffe.

Viel säurefreies Papier ist außerdem gepuffert. Es enthält dann einen kleinen Vorrat an Calciumcarbonat, einem kreideähnlichen Stoff, der später entstehende Säuren oder Säuren von außen abfängt. Für das Papier selbst ist so ein Puffer gut. Geht es um Fotos, wähle im Zweifel Material, das den PAT bestanden hat.

Es gibt ein paar Ausnahmen. Blaupausen (Cyanotypien), Dye-Transfer-Drucke und Materialien tierischen Ursprungs wie Leder, Pergament, Wolle und Seide bewahrst du besser mit ungepuffertem Papier auf. Der basische Puffer kann sie angreifen.

Archivbeständig und fotosicher

Archivbeständig (archival) klingt offiziell, ist als Produktlabel aber kein geschützter Begriff, und es gibt keine feste Norm dafür. Bei Papier heißt es in der Praxis meist säurefrei und ligninfrei, manchmal aus Baumwolle statt aus Holz.

Auch fotosicher (photo safe) ist kein geschützter Begriff. Es gibt aber einen echten Test: den Photographic Activity Test, kurz PAT, festgelegt in der internationalen Norm ISO 18916. Dieser Test prüft, ob ein Material schädlich mit Fotos reagiert. Steht PAT auf der Verpackung, wurde das Produkt getestet und hat bestanden. Über den Säuregehalt oder das Lignin sagt der Test nichts aus.

Was in deinem Album säurefrei sein sollte

Nicht alles in deinem Album ist gleich wichtig. Fang bei dem an, was das Foto direkt berührt, und arbeite dich von dort nach außen vor.

  1. Der Hintergrund, auf dem das Foto liegt, und eine eventuelle Matte darunter.
  2. Der Kleber, das Klebeband oder die Fotoecken, mit denen du das Foto befestigst.
  3. Die gegenüberliegende Seite. In einem geschlossenen Album liegen die Seiten aufeinander, also berührt ein saures Kärtchen links jahrelang das Foto rechts.
  4. Was sonst noch auf der Seite liegt, etwa Embellishments, die Verzierungen auf deiner Seite. Die sind weniger kritisch, liegen aber trotzdem an deinem Papier an.

Das meiste Papier, das speziell für Scrapper verkauft wird, ist heute säurefrei und oft auch ligninfrei. Wirf trotzdem kurz einen Blick auf die Verpackung. Das größte Risiko steckt meist in dem, was du selbst dazugibst: Kärtchen, Kassenbons, Zeitungsausschnitte, Verpackungen und anderes Papier aus dem Haushalt.

Nicht jedes Buch muss hundert Jahre halten. In einem Junk Journal mit alten Buchseiten, Teebeuteln und Kartonstückchen gehört das Vergilben einfach dazu. Solange du keine Originalfotos oder unersetzlichen Stücke einklebst, muss nicht alles säurefrei sein. Arbeite dann mit Abzügen und bewahre die Originale getrennt auf.

So erkennst du gutes Material

  • Lies das Etikett. Achte auf säurefrei und ligninfrei, oder acid-free und lignin-free. Steht nur säurefrei drauf, weißt du nichts über das Lignin.
  • Eine liegende Acht (das Unendlichkeitszeichen) in einem Kreis bedeutet, dass das Papier der ISO 9706 entspricht, der Norm für alterungsbeständiges Papier.
  • Für alles, was ein Foto direkt berührt, ist PAT auf der Verpackung ein gutes Zeichen.
  • Kein Etikett? Mit einem pH-Teststift ziehst du einen kleinen Strich und siehst an der Farbe, ob das Papier sauer ist. Welche Farbe was bedeutet, steht auf dem Stift. Teste an einem Rand, den man nicht sieht, denn der Strich bleibt sichtbar. Lignin misst so ein Stift nicht.

Sei vorsichtig mit Zeitungspapier, braunem Karton von Kisten, Eierkartons, billigem Packpapier und alten Buchseiten. Die enthalten oft Lignin oder Säure. Kassenbons aus Thermopapier haben ein anderes Problem: Die Schrift verblasst.

Braun ist nicht automatisch schlecht. Kraftpapier und Kraftkarton für Scrapper werden oft säurefrei und ligninfrei hergestellt. Auch hier entscheidet das Etikett.

Was du mit Material machst, das nicht säurefrei ist

Ein Ausschnitt oder Kärtchen, das nicht säurefrei ist, muss nicht draußen bleiben. Es gibt genug Möglichkeiten, es sicher mit ins Album zu nehmen.

  • Mach eine Kopie. Scanne es und drucke es auf gutem Papier aus, oder mach eine Farbkopie. Das Original bewahrst du separat in einer Schachtel oder Mappe auf.
  • Trenn es ab. Steck es in eine Hülle aus Polypropylen, Polyethylen oder Polyester, niemals aus PVC. Dann kann es nicht am Rest anliegen.
  • Leg eine Schicht dazwischen. Ein Blatt säurefreies, ligninfreies Papier zwischen zwei Seiten hält Säure ab. So bewahren auch Archive alte Sammelalben auf.
  • Matte dein Foto. Setz ein Foto auf eine Matte aus säurefreiem Cardstock, dem festen einfarbigen Papier, das Scrapper verwenden. Dann liegt ein Puffer zwischen dem Foto und einem zweifelhaften Hintergrund.
  • Verwende Entsäuerungsspray. So ein Spray neutralisiert die Säure und hinterlässt einen Puffer. Das Lignin entfernt es nicht, das Papier verfärbt sich also weiterhin, nur langsamer. Teste es zuerst an einer Ecke, denn manche Tinten und Farben reagieren darauf.

Bei einem alten Album, das sich schon verfärbt, kommst du mit diesen Tricks nicht weit genug. Das braucht eine eigene Herangehensweise und bei wertvollen oder beschädigten Stücken manchmal einen Restaurator.

Wie lange säurefreies Papier hält

Eine genaue Zahl an Jahren kann niemand nennen. Die bekannten Zahlen sind Schätzungen. Gutes säurefreies, gepuffertes Papier kann bei richtiger Aufbewahrung Hunderte von Jahren halten. Als Faustregel für alterungsbeständiges Archivpapier gilt ein Puffer von etwa 2 Prozent Calciumcarbonat. Saures Papier mit viel Lignin kann dagegen schon innerhalb eines Menschenlebens gelb und spröde werden.

Der Ort, an dem du deine Bücher aufbewahrst, zählt mindestens so viel wie das Papier. Wähle einen dunklen, trockenen Platz mit einer Luftfeuchtigkeit von etwa 30 bis 50 Prozent und einer Temperatur von rund 21 Grad oder kühler, die nicht stark schwankt. Dachboden, Keller oder Garage sind deshalb keine guten Orte, und der Schrank neben der Heizung auch nicht.

Ein Album ist so stark wie sein schwächster Teil. Das schönste ligninfreie Papier hilft wenig, wenn der Kleber vergilbt oder die Hüllen aus PVC sind. Wenn du sicher sein willst, dass deine Erinnerungen bleiben, scanne deine Seiten auch. Dann hast du immer eine Kopie, egal was mit dem Papier passiert.

Fragen zu diesem Thema

Was bedeutet säurefreies Papier?

Säurefreies Papier ist neutral oder leicht basisch, mit einem pH-Wert von 7 oder etwas höher. Saures Papier zerfällt langsam: Es vergilbt, wird spröde und kann Säure an Fotos weitergeben, die daran anliegen.

Was ist der Unterschied zwischen säurefrei und ligninfrei?

Säurefrei bedeutet, dass das Papier bei der Herstellung neutral ist. Ligninfrei bedeutet, dass das Lignin, ein Stoff aus Holz, entfernt wurde, sodass später keine neuen Säuren daraus entstehen können. Papier kann das eine sein, ohne das andere zu sein.

Sind archivbeständig und fotosicher geschützte Begriffe?

Nein, es sind keine geschützten Begriffe, und es gibt keine feste Norm dafür. Ein echter Test ist der Photographic Activity Test (PAT, ISO 18916), der prüft, ob ein Material schädlich mit Fotos reagiert.

Wie verwende ich saures Material sicher im Scrapbook?

Mach eine Kopie und bewahre das Original separat auf, oder trenn es mit einer Hülle aus Polypropylen, Polyethylen oder Polyester ab. Ein Blatt säurefreies Papier dazwischen oder eine Matte aus säurefreiem Cardstock unter deinem Foto hilft auch.

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