Was schreibst du zu deinen Fotos? Journaling im Scrapbook
Ein Name, ein Datum, ein Satz oder eine ganze Geschichte. So findest du heraus, was du zu deinen Fotos schreibst, und machst auf der Seite Platz dafür.

Ein Foto zeigt, wie es aussah. Was du dazuschreibst, erzählt, wer dabei war, was passiert ist und warum du diesen Moment festhalten wolltest. Scrapper nennen das Journaling, und für viele ist es der schwierigste Teil der Seite. Mit ein paar festen Fragen und einigen praktischen Tricks kommt fast immer etwas aufs Papier.
Was Journaling ist und warum es zählt
Journaling ist alles, was du einer Seite in Worten hinzufügst: ein Name, ein Datum, eine Bildunterschrift aus einem Satz, eine kleine Liste oder eine ganze Geschichte. Es darf an ein Tagebuch erinnern, muss es aber nicht. Zusammen mit den Fotos, dem Titel, den Embellishments (den Verzierungen) und dem Hintergrund gehört es zu den festen Bestandteilen einer Seite.
Wer ein Album aufschlägt, schaut zuerst auf die Fotos und sucht dann nach den Worten. Ohne Text bleibt nur Raten, und nach ein paar Jahren gilt das auch für dich. Viele Scrapper kennen das: eine Seite, die sie erst Jahre später gestaltet haben, mit zwei Kindern, die sich so ähnlich sahen, dass niemand mehr sicher weiß, wer auf dem Foto ist. Was sich heute selbstverständlich anfühlt, vergisst du schneller, als du denkst.
Fang mit fünf Fragen an
Wenn du nicht weißt, wo du anfangen sollst, stell dir die fünf Fragen, die Scrapper auf der ganzen Welt nutzen. Auf Englisch heißen sie die fünf W’s.
- Wer ist darauf zu sehen? Schreib die Namen auf, auch wenn sie für dich völlig klar sind.
- Was ist passiert? Ein Karnevalskostüm sieht ohne Erklärung schnell nach einer ganz anderen Geschichte aus.
- Wo war das? Nicht jeder Ort ist wiederzuerkennen. Notier das Dorf, das Haus oder den Campingplatz.
- Wann war das? Ein genaues Datum ist schön, aber ein Jahr oder eine Jahreszeit reicht auch. Wenn du es nicht weißt, schreib etwas wie „Sommer, irgendwann Anfang der Neunziger“. Vielleicht ergänzt es später jemand anderes.
- Warum hast du dieses Foto gemacht? Oft ist diese Antwort schon die ganze Geschichte.
Hast du Details vergessen, schau in deinen Kalender oder in die Nachrichten, die du damals verschickt hast, oder sieh dir Datum und Ort des Fotos auf deinem Handy an. Manche Scrapper führen deshalb jeden Tag eine kurze Liste mit dem, was sie gemacht haben, damit sie später etwas zum Nachschlagen haben.
Bei alten Familienfotos ist es anders. Frag Onkel, Tanten und Großeltern, woran sie sich noch erinnern, such in alten Briefen und Zeitungsausschnitten, und schreib auch das kleine Detail auf, das jemand auf einem Geburtstag erzählt hat. Schreib Namen und Datum leicht mit einem weichen Bleistift auf die Rückseite gedruckter Fotos, am Rand, damit diese Informationen nicht verloren gehen. Wenn der Bleistift auf einer glatten Rückseite nicht hält, schreib es auf ein Kärtchen zum Foto.
Wenn du nicht weißt, was du sagen sollst
Ein leeres Feld, in das Text gehört, kann lähmen. Es hilft, es nicht als Aufsatz zu sehen. Such dir eine Form aus, dann kommen die Worte oft von selbst.
- Ein Wort als Anfang. Schreib „heute“ oder „gerade jetzt“ und mach den Satz fertig. Stempel und Sticker mit einem Wort oder einer Frage funktionieren genauso: Du musst nur noch antworten.
- Eine Liste. Mit Spiegelstrichen, nummeriert oder als Alphabet, mit etwas über die Person oder den Tag zu jedem Buchstaben. So hältst du auf wenig Platz schnell viel fest.
- Eine Zeitleiste. Das kann ein einziger Tag sein, vom Frühstück bis zum Schlafengehen, oder eine Reihe von Jahren, wie alle ersten Schultage hintereinander.
- Ein Gespräch. Schreib wörtlich auf, was gesagt wurde. Gerade die Sprüche kleiner Kinder vergisst du sonst schnell.
- Ein Zitat oder eine Liedzeile. Lass sie für sich stehen oder nutze sie als Einstieg für deine eigenen Sätze.
- Humor. Wer nicht feierlich klingen muss, schreibt leichter.
- Gib den Stift weiter. Lass dein Kind, deinen Partner oder deine Partnerin oder deine Oma etwas schreiben. Dann steht eine andere Stimme auf der Seite, und so eine Handschrift wird später oft zu einem der wertvollsten Dinge im Buch.
Klappt es immer noch nicht, schreib erst einmal ungeordnet alles auf einen Schmierzettel, was dir einfällt. Such dir danach die zwei oder drei Sätze aus, die den Moment am besten einfangen.
Wie viel schreibst du, und aus wessen Sicht?
Es gibt keine Regel dafür, wie viel du schreibst. Bei einem Foto von einem Tulpenstrauß reicht vielleicht ein Titel mit Datum. Ein Moment, der dich berührt hat, verdient einen Absatz. Nicht jede Seite braucht viel Text, und in einem Album über eine einzige Reise musst du nicht auf jeder Seite neu erklären, wo du warst.
Wichtiger als die Länge ist, was du aufschreibst. „Wir am Strand“ erzählt nichts, was das Foto nicht schon zeigt. Schreib lieber über das, was außerhalb des Bildes blieb: was kurz vor dem Foto passiert ist, was ihr danach gemacht habt, wie es roch oder klang. Konkrete Details sagen mehr als große Worte. „Er hat den ganzen Nachmittag eine Anderthalb-Liter-Flasche Wasser mit sich herumgeschleppt“ bleibt besser hängen als „Er war so süß“.
Dann die Perspektive. Jede Form hat ihre eigene Stimmung:
- Ich: Du erzählst, wie du es erlebt hast. Das ist persönlich, und so kommst du selbst auch einmal im Buch vor.
- Du: Du schreibst an die Person auf dem Foto, wie einen kurzen Brief. Das passt schön in ein Album für ein Kind oder als Geschenk.
- Er oder sie: Du erzählst es wie einen Bericht. Das ist ruhiger und neutraler und praktisch in einem Familienalbum mit alten Fotos.
Entscheide dich pro Seite für eine Perspektive und bleib dabei. Ein Wechsel innerhalb eines Textes liest sich unruhig.
Platz für Text schaffen
Die meisten Scrapper gestalten zuerst und schreiben zum Schluss. Das geht gut, aber manchmal ist dann zu wenig Platz übrig. Wenn du schon weißt, dass eine Geschichte dazugehört, schreib sie zuerst als Entwurf. Dann siehst du, wie viel Platz du brauchst, und planst ihn gleich beim Aufbau deiner Seite ein.
Diese Stellen funktionieren fast immer:
- Ein Journaling-Kärtchen neben oder unter dem Foto, aus Cardstock (festem, einfarbigem Papier) oder einem Rest Designpapier.
- Ein Streifen unter dem Foto. Mach die Matte, den Papierrand hinter deinem Foto, unten etwa 7 bis 10 mm breiter als an den Seiten, damit eine kurze Bildunterschrift draufpasst.
- Ein ruhiger, leerer Bereich der Seite. Weißraum ist auch ein guter Platz für Worte.
- Schmale Streifen mit ein paar Worten, wenn du keine ganze Geschichte brauchst.
Schreib am besten auf ein loses Kärtchen und kleb es erst fest, wenn es fertig ist. Geht etwas schief, machst du ein neues Kärtchen statt einer neuen Seite. Für gerade Zeilen ziehst du mit Bleistift und Lineal dünne Linien, die du wegradierst, wenn die Tinte trocken ist. Muss dein Text in ein festes Feld passen, üb zuerst auf Schmierpapier, damit du weißt, wie viel hineinpasst.
Tippst du lieber? Dann nimm eine gut lesbare Schrift, die nicht zu klein ist, zum Beispiel um die 11 bis 12 Punkt, und verwende höchstens zwei Schriftarten pro Seite. Viele Scrapper kombinieren beides: die Fakten getippt und einen Satz von Hand. Auch wenn du deine eigene Handschrift nicht schön findest, macht gerade sie die Seite persönlich. Nimm einen Stift mit wasserfester Tinte und probier ihn zuerst auf einem Rest desselben Papiers aus.
Wenn du mehr erzählen willst, als hineinpasst
- Kürze deinen Text. Streich, was das Foto schon zeigt, und behalte die Sätze, die du wirklich festhalten willst.
- Pass das Layout an. Ein Foto weniger oder ein kleineres Foto schafft Platz für die Geschichte.
- Versteck den Text. In ein kleines Kuvert (C7 oder C8 ist ein praktisches Format), hinter eine Klappe oder auf ein Kärtchen, das du aus einer Tasche ziehst, passt ein langer Text. Schreib Namen und Datum aber sichtbar auf die Seite selbst.
- Nimm eine Seite dazu. Setz die Fotos links und die Geschichte rechts, sodass sie zusammen ein Spread bilden: zwei Seiten, die zusammengehören.
- Erzähl die allgemeine Geschichte einmal. Eine Eröffnungsseite vorne im Album, mit dem Wo und Wann, erspart Wiederholungen auf allen Seiten danach.
Fragen, die immer funktionieren
Leg dir diese Liste neben deinen Arbeitsplatz oder kleb sie vorne in dein Buch. Such dir eine Frage aus, beantworte sie ehrlich, und dein Journaling steht auf dem Papier.
- Warum habe ich in diesem Moment zur Kamera gegriffen?
- Was ist kurz vor oder kurz nach diesem Foto passiert?
- Was hat jemand gesagt, und wie klang das?
- Was sieht man auf dem Foto nicht, aber ich weiß es noch?
- Was soll jemand darüber wissen, wenn ich es selbst nicht mehr erzählen kann?
- Wie sah ein ganz normaler Tag in dieser Zeit aus?
- Was fanden die anderen, in ihren eigenen Worten?
- Worüber mussten wir lachen?
- Was ist heute ganz normal, wird später aber besonders wirken? Denk an die Lieder im Radio, die Nachrichten dieser Woche oder was auf dem Tisch stand.
- Was habe ich daraus gelernt, oder was schätze ich seitdem mehr?
- Was würde ich in zehn Jahren gern noch einmal lesen?
Die gewöhnlichen Tage verdienen genauso Worte wie die großen Ereignisse. Ein Dienstagmorgen am Frühstückstisch ist in zwanzig Jahren oft genau die Geschichte, nach der du suchst. Fang heute mit einer Seite und den fünf Fragen an und schau, was noch alles hochkommt.
Fragen zu diesem Thema
Was ist Journaling im Scrapbook?
Journaling ist alles, was du einer Seite in Worten hinzufügst: ein Name, ein Datum, eine Bildunterschrift aus einem Satz, eine kleine Liste oder eine ganze Geschichte.
Was schreibt man zu Fotos im Album?
Fang mit den fünf Fragen an: wer, was, wo, wann und warum. Schreib lieber über das, was außerhalb des Bildes blieb, etwa was kurz vor dem Foto passiert ist oder was jemand gesagt hat, als über das, was man schon sieht.
Was tun, wenn man nicht weiß, was man schreiben soll?
Such dir eine Form aus: ein Wort als Anfang, eine Liste, eine Zeitleiste, ein Gespräch oder ein Zitat. Klappt es noch nicht, schreib zuerst alles auf einen Schmierzettel und such dir danach zwei oder drei Sätze aus.
Was tun, wenn der Text nicht auf die Scrapbook-Seite passt?
Kürze den Text, mach ein Foto kleiner oder versteck den Text in einem kleinen Kuvert oder hinter einer Klappe. Schreib Namen und Datum aber sichtbar auf die Seite. Du kannst auch eine Seite dazunehmen.


