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Aufbewahren · 7 Min. Lesezeit

Alte Fotoalben digitalisieren, ohne etwas zu beschädigen

Dicke Alben, brüchige Seiten und Fotos, die festkleben: So scannst oder fotografierst du sie, mit den richtigen Einstellungen und Dateinamen, die du später wiederfindest.

Alte Zeiss-Ikon-Klappkamera auf einem aufgeschlagenen Fotoalbum mit Sepia-Porträts auf Karton, vor einer Holzkiste
Foto: ClickerHappy · Pexels

Bei deiner Mutter auf dem Dachboden steht ein Stapel Alben. Schwarze Seiten mit weißer Bleistiftschrift, ein Babyalbum mit Schleife, ein Urlaubsbuch aus den Siebzigern mit Klebefolie. Alle in der Familie hätten sie gern, und es gibt von jedem nur ein Exemplar. Digitalisieren löst das Problem, aber nur, wenn du es so machst, dass die Alben nicht darunter leiden und die Dateien auch in zwanzig Jahren noch brauchbar sind.

Warum alte Alben knifflig sind

Ein einzelnes Foto legst du auf den Scanner, fertig. Bei einem Album ist das anders. Der Rücken ist oft steif oder schon gebrochen, und wer ein dickes Buch flach auf die Glasplatte drückt, spürt die Bindung knacken. Seiten aus altem, säurehaltigem Papier sind brüchig und reißen am Rand ein.

Dazu kommt, dass Fotos oft festsitzen. Mit Klebstoff, mit Fotoecken, die austrocknen, oder unter der Folie eines Selbstklebealbums, auch Magnetalbum genannt. Bei dieser Sorte ist der Kleber nach Jahren oft so hart geworden, dass sich das Foto nicht mehr ohne Schaden lösen lässt. Und in alten Scrapbooks stecken manchmal Zeitungsausschnitte, Karten und getrocknete Blumen, die so dick sind, dass der Deckel nicht mal mehr zugeht.

Es geht also nicht darum, mal eben schnell alles durch den Scanner zu jagen. Schau dir erst bei jedem Album an, was es verträgt.

Erst die ganze Seite, dann die Fotos

Egal, wie du vorgehst: Fang mit einer Aufnahme jeder vollständigen Seite an. So bewahrst du die Anordnung, wie sie sich der Mensch ausgedacht hat, der das Album gemacht hat: welche Fotos zusammengehören, die handgeschriebenen Bildunterschriften, die Karten dazwischen. Geht später beim Lösen oder Verschieben etwas schief, hast du zumindest festgehalten, wie es war.

Danach machst du, wo es geht, eigene Aufnahmen von den wichtigen Fotos. Die nimmst du zum Ausdrucken, zum Vergrößern oder für ein neues Album.

Scannen oder fotografieren

Ein Flachbettscanner liefert die schärfste und gleichmäßigste Aufnahme. Er ist ideal für einzelne Fotos, lose Seiten und Alben mit lockerer Bindung, etwa Schraubalben oder Ringbücher, aus denen du die Blätter herausnehmen kannst. Leg dann das Blatt auf das Glas, nicht das ganze Buch.

Bei dicken, gebundenen oder brüchigen Alben ist Fotografieren sicherer. Das Album bleibt liegen, du bewegst nur die Kamera. So gehst du vor:

  • Leg das Album auf einen Tisch am Fenster, mit Licht von der Seite. Direktes Sonnenlicht gibt harte Schatten und Spiegelungen.
  • Stütz das aufgeschlagene Buch mit einem eingerollten Handtuch oder einem kleinen Kissen unter dem Deckel, damit der Rücken nicht ganz flach liegen muss.
  • Halte die Kamera oder das Handy genau senkrecht über die Seite, am besten auf einem Stativ. Ein schiefer Winkel verzerrt die Fotos.
  • Nimm die Folie von der Seite ab, wenn das ohne Mühe geht. Sitzt sie fest, fotografiere so schräg, dass du Spiegelungen vermeidest, und korrigiere die Perspektive hinterher.
  • Verwende keinen Blitz.

Ein modernes Smartphone liefert für den Familiengebrauch gute Ergebnisse. Eine Systemkamera oder Spiegelreflexkamera bringt mehr Details, was du merkst, wenn du ein Foto später vergrößern willst.

Eine Seite von 30,5 × 30,5 cm (12 × 12 Zoll) passt nicht auf einen normalen A4-Scanner. Du kannst sie in zwei Teilen scannen und diese später zusammensetzen, aber das verlangt etwas Geschick mit Fotosoftware. Fotografieren ist dann oft einfacher.

Auflösung und Dateiformat

Die Auflösung beim Scannen wird in dpi angegeben, also Bildpunkten pro Zoll. Für einen Abzug in Originalgröße reichen 300 dpi. Willst du ein Foto irgendwann größer ausdrucken oder in Gesichter hineinzoomen, scanne höher: 600 dpi sind für die meisten Fotos eine gute Wahl. Kleine Fotos, etwa die Kontaktabzüge aus alten Alben, scannst du mit 1200 dpi oder mehr. Noch höher geht auch, aber dann werden die Dateien so groß, dass dein Computer damit Probleme bekommen kann.

Beim Fotografieren zählen nicht dpi, sondern Pixel. Füll das Bild so weit wie möglich mit der Seite oder dem Foto aus, dann holst du das meiste aus deiner Kamera heraus. Mach von einem wichtigen Foto lieber eine eigene Nahaufnahme, statt es später aus einem Seitenfoto auszuschneiden.

Beim Dateiformat hast du zwei gute Möglichkeiten:

  • TIFF speichert alles ohne Qualitätsverlust. Die Dateien sind groß, aber das ist dein Master, die Datei, die du nie wieder anfasst.
  • JPEG ist kleiner und funktioniert überall. Wähl die höchste Qualität, mindestens 90 Prozent. Speichere ein JPEG nach dem Bearbeiten nicht immer wieder neu, denn jedes Mal geht ein bisschen Qualität verloren.

Ein JPEG später in TIFF umzuwandeln, macht es nicht besser. Entscheide dich also am Anfang. Eine bewährte Arbeitsweise: ein Master als TIFF oder als JPEG in Top-Qualität und dazu eine kleinere Kopie zum Teilen.

Wenn du die Fotos bearbeitest, also zuschneidest, gerade rückst oder Farben auffrischst, mach das an einer Kopie. Lass den Master so, wie er aus dem Scanner kam.

Herausnehmen oder drinlassen

Lös nur Fotos, die sich leicht lösen lassen, etwa Fotos in Ecken oder in Einstecktaschen. Alles, was festgeklebt ist, lässt du zum Digitalisieren einfach drin. Ablösen kostet Zeit, und manchmal geht etwas schief; das ist eine eigene Aufgabe, für später und mit Geduld.

Nimmst du doch Fotos aus dem Album, schau zuerst auf die Rückseite. Dort stehen oft Namen, Daten oder ein Stempel des Fotografen. Scanne oder fotografiere die Rückseite mit, denn diese Informationen gehören zum Foto. Und leg die Fotos danach genau an dieselbe Stelle zurück, wenn die Reihenfolge für die Geschichte wichtig ist.

Denk auch daran, dass das Album selbst einen Wert hat. Die Auswahl der Fotos, die Bildunterschriften in einer vertrauten Handschrift, die Reihenfolge: Das geht verloren, wenn du alles auseinandernimmst.

Dateinamen, die du später wiederfindest

Ein Ordner voller Dateien mit Namen wie IMG_4032 ist nach einem Jahr unbrauchbar. Überleg dir vorher eine feste Struktur und bleib dabei. Ein System, das gut funktioniert:

  • Ein Ordner pro Album, mit einem eindeutigen Namen, zum Beispiel album-oma-annie-1955-1965.
  • Dateien nach Seitenreihenfolge nummeriert, mit dem Album im Namen: oma-annie-p012.tif für eine ganze Seite, oma-annie-p012-03.tif für das dritte Foto auf dieser Seite.
  • Fang mit der Jahreszahl an, wenn du sie kennst, etwa 1962-strand-scheveningen-p012-03.tif. Dann sortieren sich die Dateien von selbst nach Zeit.

Verwende Kleinbuchstaben, Bindestriche statt Leerzeichen und keine Zeichen wie Schrägstriche oder Doppelpunkte. Die machen später auf anderen Computern Ärger.

Handgeschriebene Bildunterschriften und das, was du über ein Foto weißt, kannst du in der Beschreibung der Datei unterbringen, den Metadaten. Viele Fotoprogramme haben dafür ein eigenes Feld. Oder du legst eine einfache Textdatei in den Ordner, in der du zu jedem Dateinamen notierst, wer zu sehen ist und was du weißt. Bitte ältere Familienmitglieder, mitzuschauen, solange das noch geht, denn sie wissen oft, wer die Menschen auf den Fotos sind.

Speichere es an mehr als einem Ort

Ein Scan auf einem einzigen Laptop ist genauso gefährdet wie das Album auf dem Dachboden. Sorg dafür, dass deine Dateien an mindestens zwei Orten liegen, zum Beispiel auf einer externen Festplatte und in der Cloud, und am besten eine Kopie außerhalb deiner Wohnung. Eine Kopie bei deinem Bruder oder deiner Schwester zählt auch. Prüf ab und zu, ob sich die Dateien noch öffnen lassen.

Möchtest du die Seiten auch als Buch in einem Regal sehen und mit wem du willst teilen, dann ist eine App wie Scrappd genau dafür gemacht.

Was du mit den Originalen machst

Wirf nichts weg, auch nicht, wenn alles gescannt ist. Ein Scan hält fest, was du in dem Moment sehen konntest; das Original enthält oft mehr. Das gilt besonders für Negative: Bewahre sie immer auf, denn in ihnen steckt mehr Information, als ein erster Scan herausholt.

Stell die Alben an einen kühlen, trockenen Ort mit gleichmäßiger Temperatur, lieber in einen Schrank im Wohnzimmer als auf den Dachboden oder in den Keller. Aufrecht oder liegend, aber nicht eingequetscht zwischen anderen Büchern. Gibt es lose Seiten, gebrochene Bindungen oder Fotos, die bombenfest kleben, kann ein Restaurator helfen.

Und nimm für neue Projekte die Kopien. Willst du ein Foto deiner Großeltern in einem Scrapbook verwenden, druck den Scan aus und kleb ihn ein. Das Original bleibt sicher im alten Album, und mit der Kopie darfst du schneiden und schreiben, so viel du willst.

Fragen zu diesem Thema

Wie digitalisiere ich ein altes Fotoalbum, ohne es zu beschädigen?

Mach zuerst eine Aufnahme jeder ganzen Seite und erst danach von den einzelnen Fotos. Bei dicken, gebundenen oder brüchigen Alben ist Fotografieren sicherer als Scannen, weil das Album liegen bleibt.

Mit welcher Auflösung sollte man alte Fotos scannen?

Für einen Abzug in Originalgröße reichen 300 dpi. 600 dpi sind für die meisten Fotos eine gute Wahl, und kleine Fotos scannst du mit 1200 dpi oder mehr.

Welches Dateiformat ist am besten für gescannte Fotos?

Bewahre einen Master als TIFF oder als JPEG in Top-Qualität auf und mach eine kleinere Kopie zum Teilen. Bearbeite immer eine Kopie und lass den Master unangetastet.

Muss man Fotos zum Scannen aus einem alten Album nehmen?

Lös nur Fotos, die sich leicht lösen lassen. Was festgeklebt ist, lässt du drin; das Ablösen ist eine eigene Aufgabe, für später und mit Geduld.

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