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Material · 6 Min. Lesezeit

Notizbuch finden, durch das keine Tinte durchschlägt

Füller, Marker oder ein bisschen Aquarell: So wählst du Papier, das hält, testest es, bevor du anfängst, und rettest eine Seite, die doch durchschlägt.

Schwarz-Weiß-Foto eines Spiralnotizbuchs mit Handschrift in Füllertinte, daneben ein Füller und ein Tintenfass
Foto: atelierbyvineeth . . . · Pexels

Du beschreibst die erste Seite deines neuen Journals mit deinem schönsten Stift. Du blätterst um, und da steht alles noch einmal, in Spiegelschrift. Wer mit Füller, Markern oder ein bisschen Farbe arbeitet, kennt das. Die gute Nachricht: Du kannst es größtenteils vermeiden, wenn du weißt, worauf du achten musst, und testest, bevor du anfängst.

Drei Probleme, die sich ähneln

Scrapper und Journaler werfen das oft in einen Topf, aber es sind drei verschiedene Dinge. Es hilft, sie auseinanderzuhalten, denn die Lösung ist jeweils eine andere.

  • Durchscheinen (auf Englisch Ghosting oder Show-through): Du siehst die Schrift von der anderen Seite wie einen Schatten durch das Papier. Die Tinte ist nicht durch das Blatt gegangen, das Papier ist einfach etwas dünn oder leicht durchsichtig. Du kannst oft problemlos darüberschreiben.
  • Durchschlagen (Bleed-through): Die Tinte ist wirklich durch das Papier gezogen und zeigt sich als Flecken oder Linien auf der Rückseite. Manchmal sogar auf der Seite darunter. Diese Rückseite ist dann eigentlich nicht mehr zu gebrauchen.
  • Ausfransen (Feathering): Die Tinte kriecht an den Fasern des Papiers entlang, sodass deine Linien fransig werden statt scharf. Das passiert auf der Vorderseite, auch wenn nichts durchschlägt.

Und dann gibt es noch das wörtliche Durchdrücken: Mit einem harten Stift und kräftiger Hand drückst du ein Relief in die nächsten Blätter. Dagegen hilft am schnellsten ein Stück Pappe oder ein loses Schreibblatt unter deiner Seite.

Worauf du beim Papier achtest

Das Erste, worauf alle schauen, ist das Papiergewicht, auch Grammatur genannt: das Gewicht in Gramm pro Quadratmeter. Viele bekannte Notizbücher liegen bei etwa 70 bis 80 g/m², manche gehen bis 90 oder 100 g/m². Dickeres Papier scheint weniger durch. Eine oft genannte Faustregel gegen Durchscheinen sind 90 g/m² oder mehr, aber das bleibt ein Richtwert.

Doch die Grammatur ist nicht alles. Erfahrene Journaler merken immer wieder, dass dünnes Papier manchmal besser abschneidet als dickes. Der Unterschied liegt in der Leimung und der Oberfläche. Papier, das gut geleimt oder leicht gestrichen ist, lässt die Tinte oben liegen, statt sie aufzusaugen. Das ergibt scharfe Linien und wenig Durchschlag, auch bei geringem Gewicht. Dünnes japanisches Planer- und Notizpapier wird dafür oft als Beispiel genannt: hauchdünn, und trotzdem kommt es mit vielen Füllern gut klar. Das ist aber je nach Papiersorte und Ausführung verschieden, also teste es.

Achte auch auf die Farbe. Auf cremefarbenem oder leicht gebrochen weißem Papier fallen Schatten weniger auf als auf strahlend weißem. Und wer alles scannt, sieht Durchscheinen auf dem Scan oft stärker als in echt.

Papier für Füller, Marker und Aquarell

Was gut ist, hängt davon ab, was du damit machst. Es gibt kein Notizbuch, das alles aushält.

Für einen Füller willst du glattes, gut geleimtes Papier. Nasse Tinte und eine breite Feder sind am anspruchsvollsten; mit einer feinen Feder und einer trockener schreibenden Tinte kommst du auf mehr Papiersorten zurecht. Dunkle Tinte scheint am stärksten durch. Gelstifte und Kugelschreiber schlagen meist kaum durch, wobei festes Aufdrücken durchaus einen Abdruck hinterlassen kann.

Marker sind eine andere Geschichte. Textmarker und Brush Pens auf Wasserbasis gehen durch dünnes Planerpapier schnell durch. Alkoholmarker schlagen durch fast jedes normale Notizbuchpapier. Leg dabei immer ein Blatt darunter und rechne damit, dass die Rückseite verloren ist, oder nimm spezielles Markerpapier oder festen Cardstock (dickes, steifes Papier).

Stempelfarbe gehört auch dazu. Dünne Farbe auf Wasserbasis, die Dye-Inks, zieht leicht durch. Pigmentfarbe bleibt eher oben liegen und macht auf dünnem Papier meist weniger Probleme.

Aquarell ist am schwierigsten. Normales Notizbuchpapier wellt sich und lässt Farbe durchlaufen. Für einen gelegentlichen kleinen Akzent kannst du eine Seite bemalen und die Rückseite leer lassen. Willst du wirklich in deinem Journal malen, nimm ein Skizzenbuch mit Mixed-Media- oder Aquarellpapier. Das ist viel schwerer; echtes Aquarellpapier hat meist 200 bis 300 g/m².

Liegt es flach? Bindung und Format

Ein Notizbuch, das ständig zuklappt, ist unangenehm zum Schreiben. Vor allem in der Mitte einer Doppelseite, wo bei einer Wochenübersicht ein paar Tage im Bund verschwinden.

Das sind die gängigen Bindungen:

  • Fadengeheftet (Lagen mit Faden genäht): liegt nach einer Weile Gebrauch oft gut flach und ist stabil.
  • Klebegebunden: günstiger, federt aber oft zurück und kann sich bei häufigem Auf- und Zuklappen lösen.
  • Spirale oder Ringbindung: liegt komplett flach und lässt sich umklappen. Die Ringe sind beim Schreiben auf der linken Seite allerdings im Weg.
  • Ringbuchsystem oder Traveler's Notebook: Du wählst das Papier selbst und tauschst es aus, wenn es dir nicht gefällt. Praktisch, wenn du mit verschiedenen Stiften und Techniken arbeitest.

Mach im Laden die Probe. Schlag das Buch in der Mitte auf und lass los. Bleibt es liegen, und kannst du mühelos bis in den Falz schreiben? Klapp auch den Umschlag ein paarmal auf und zu und fühl, ob der Rücken stabil wirkt.

Zum Format: A5 ist für viele Journaler ein guter Mittelweg, groß genug zum Arbeiten und klein genug zum Mitnehmen. Je mehr du einklebst, desto dicker wird das Buch. Ein Ringbuchsystem gibt dir dann mehr Platz, weil du Blätter herausnehmen kannst.

So testest du Papier, bevor du anfängst

Teste immer, bevor du mit deiner ersten richtigen Seite beginnst. So geht's:

  1. Nimm die hinterste Seite oder das letzte Blatt deines Notizbuchs.
  2. Setz von jedem Stift, Marker und Stempel, den du benutzen willst, einen Strich, ein Wort und eine kleine Fläche. Schreib den Namen dazu.
  3. Drück so auf, wie du es normalerweise tust, und schreib auch mit einer nassen, satten Linie, nicht nur mit einem trockenen Strich.
  4. Lass alles gut trocknen.
  5. Dreh das Blatt um und schau dir die Rückseite und die Seite darunter an. Halt es auch einmal gegen das Licht.

Kannst du im Laden nicht testen, such nach Fotos von den Rückseiten von Seiten, die andere gestaltet haben. Und kauf nicht gleich einen ganzen Stapel, solange du nicht ein Buch ausprobiert hast.

Was du tust, wenn es doch durchschlägt

Es ist passiert, und du willst das Buch nicht wegwerfen. Das musst du auch nicht.

  • Kleb etwas darüber. Ein Stück Designpapier, ein Foto, eine Journaling-Karte oder ein kleiner Umschlag deckt eine durchgeschlagene Rückseite komplett ab. Viele Journaler nutzen das sogar als Anfang einer neuen Seite.
  • Kleb zwei Seiten aufeinander. Arbeite nur auf der Vorderseite und kleb das nächste Blatt dagegen. Deine Seite wird stabiler und der Fleck ist weg.
  • Arbeite auf losem Papier. Zeichne oder male auf einem losen Blatt und kleb es danach ein. Dann spielt das Papier deines Notizbuchs keine Rolle mehr.
  • Leg ein Schutzblatt unter deine Seite, wenn du mit Markern oder Farbe arbeitest, damit die Seite darunter sauber bleibt.
  • Nimm für die folgenden Seiten einen feineren Stift, eine trockenere Tinte oder eine dunklere Farbe.
  • Lass deine Tinte in Ruhe trocknen oder tupf sie mit einem Taschentuch ab, wenn das Papier langsam aufsaugt.

Und manchmal ist es am besten, es einfach so zu lassen. Ein bisschen Schatten vom Vortag gehört zu einem Buch, das wirklich benutzt wird. Eine Papiersorte, die durchscheint, ist nicht kaputt. Es ist einfach dünnes Papier.

Fragen zu diesem Thema

Was ist der Unterschied zwischen Durchscheinen, Durchschlagen und Ausfransen?

Beim Durchscheinen siehst du die Schrift von der anderen Seite als Schatten. Beim Durchschlagen ist die Tinte wirklich durch das Papier gezogen, und beim Ausfransen kriecht die Tinte an den Fasern entlang, sodass Linien fransig werden.

Wie viel g/m² sollte Papier für einen Füller haben?

Eine oft genannte Faustregel gegen Durchscheinen sind 90 g/m² oder mehr, aber Leimung und Oberfläche des Papiers sagen oft mehr aus als das Gewicht. Teste deshalb immer deinen eigenen Stift.

Wie teste ich, ob ein Notizbuch meinen Stift verträgt?

Setz auf der hintersten Seite von jedem Stift, Marker und Stempel einen Strich, ein Wort und eine kleine Fläche. Lass alles trocknen und schau dir die Rückseite und die Seite darunter an.

Was tun, wenn Tinte durch das Papier schlägt?

Kleb ein Stück Designpapier, ein Foto oder eine Karte darüber, oder kleb zwei Seiten aufeinander. Du kannst auch auf losem Papier arbeiten und es danach einkleben.

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