Scrapbooking ohne Fotos: So erzählst du trotzdem deine Geschichte
Wenig Fotos, kein Bild von genau diesem einen Moment oder Kinder, die nicht mehr posieren wollen? Eine Scrapbook-Seite kommt auch gut ohne aus.

Ein Scrapbook ohne Fotos klingt vielleicht wie ein Fotoalbum ohne Fotos: leer. Und doch ist es umgekehrt. Was ein Scrapbook von einem normalen Album unterscheidet, sind gerade die Worte, die Kärtchen und die kleinen Dinge drumherum. Nimmst du das Foto weg, bleibt die Geschichte übrig. Und genau die wolltest du aufbewahren.
Muss in ein Scrapbook immer ein Foto?
Nein. Scrapbooks gab es schon lange, bevor alle eine Kamera hatten. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert klebten die Menschen vor allem Ausschnitte, Bildchen, Karten und Briefe hinein. Das Foto als Mittelpunkt der Seite wurde erst später üblich.
Eine Seite ohne Foto ist also keine Notlösung. Sie ist eine andere Art zu erzählen. Manchmal sogar eine bessere: Ein Foto zeigt, wie etwas aussah, aber nicht, wie es sich anfühlte, was gesagt wurde oder warum du es dir merken wolltest.
Überleg dir zuerst, was du festhalten willst. Geht es um ein Ereignis, eine Zeitspanne, einen Menschen oder etwas, das dich gerade beschäftigt? Daraus ergibt sich ganz von selbst, welche Materialien die Hauptrolle bekommen.
Lass den Text die Hauptrolle spielen
Auf einer normalen Seite steht das Journaling (der geschriebene Text zu deiner Seite) oft in einer Ecke. Ohne Foto darf es in die Mitte. Schreib es auf eine große Fläche Cardstock, das feste Grundpapier, das Scrapper verwenden, und behandle diesen Block so, wie du ein Foto behandeln würdest: mit einer Matte darunter, einem Streifen Washi Tape daneben und ein paar Embellishments (Verzierungen wie Sticker, Knöpfe oder Stanzteile) drumherum.
Schreib deinen Text aus, bevor du mit dem Layout anfängst. Oft hast du mehr zu sagen, als du dachtest, und wenn du weißt, wie lang er wird, weißt du auch, wie viel Platz du brauchst. Wird es zu viel für die Seite, versteck einen Teil in einem kleinen Umschlag oder hinter einer Klappe.
Ein paar Formen, die gut funktionieren:
- Ein Brief an dich selbst, an dein Kind oder an jemanden, der nicht mehr da ist.
- Ein Gespräch, das du nicht vergessen willst, so aufgeschrieben, wie es war.
- Eine kurze Beschreibung eines ganz normalen Tages, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen.
- Ein Spruch, der bei euch zu Hause ein geflügeltes Wort ist, groß als Titel.
Deine Handschrift muss nicht schön sein. Gerade deine eigene Schrift macht die Seite persönlich. Fällt dir das schwer, kannst du Text auch ausdrucken, stempeln oder mit Buchstabenstickern gestalten.
Listen, Kärtchen und Zeichnungen
Eine Liste ist der schnellste Weg, eine Seite ohne Foto zu füllen. Sie liest sich leicht und wirkt ruhig. Denk an zehn Dinge, die du diesen Sommer gegessen hast, die Bücher, die du dieses Jahr gelesen hast, die Lieder, die gerade ständig im Auto laufen, oder die Wörter, die dein Kleinkind falsch sagt.
Schreib die Liste auf einzelne Papierstreifen, auf ein Etikett oder auf eine Journaling-Karte. Abwechselnde Streifen mit kleinen Farbunterschieden geben Rhythmus, ohne dass es unruhig wird.
Zeichnungen leisten dasselbe wie ein Foto, nur auf deine Art. Eine einfache Strichzeichnung einer Tasse Kaffee, ein Plan deiner neuen Straße oder eine Skizze vom Tisch nach einem Geburtstag reicht schon. Kannst du nicht zeichnen, pause etwas ab oder lass ein Kind ran. Eine Kinderzeichnung ist oft das Schönste auf der ganzen Seite.
Ephemera und Gegenstände in der Hauptrolle
Ephemera sind die Papierchen, die eigentlich zum Wegwerfen gedacht sind: Tickets, Kassenbons, kleine Stadtpläne, Etiketten, Speisekarten, Beipackzettel, Zettelchen. Auf den meisten stehen ein Datum, ein Ort oder ein Preis, und damit erzählen sie genau, wo du warst.
Ein paar Ideen:
- Ein Konzertticket mit der Setlist, die du aus dem Gedächtnis aufschreibst.
- Die Speisekarte eines Restaurants und dazu, was ihr bestellt habt.
- Eine Zugfahrkarte mit dem Grund für die Reise.
- Das Namensbändchen aus dem Krankenhaus, eine Karte vom Wochenbettbesuch.
- Eine Papiertüte vom Bäcker, flach gefaltet.
Flaches Material kannst du direkt einkleben. Für dickere Dinge wie einen Schlüsselanhänger, ein Stück Stoff, einen Knopf oder eine Muschel nimmst du besser eine durchsichtige Hülle oder einen Umschlag, oder du nähst sie fest. So bleibt das Buch zu und die Seiten bleiben flach.
Pass aber auf: Kassenbons aus Thermopapier verblassen mit der Zeit, und Zeitungspapier und billiger Karton können sich verfärben und die Seite daneben angreifen. Willst du etwas wirklich bewahren, scann oder fotografier es zuerst und kleb eventuell die Kopie ein. Das Original kann dann in einen kleinen Umschlag hinten auf die Seite. In einem eigenen Artikel liest du mehr darüber, wie du Tickets, Kassenbons und Ausschnitte aufbewahrst.
Seiten über Gefühle, Wünsche und Lieblingsdinge
Nicht alles, woran du dich erinnern willst, ist ein Ereignis. Manche der schönsten Seiten handeln davon, wer du gerade bist. In zehn Jahren weißt du nicht mehr, was du täglich gegessen hast, was du gehofft hast oder was dir den Schlaf geraubt hat.
Für so eine Seite brauchst du kein Foto. Ein paar Themen für den Anfang:
- Meine Lieblingsdinge im Moment: Essen, Duft, Farbe, Platz in der Wohnung.
- Was ich mir für das kommende Jahr erhoffe.
- Wofür ich gerade dankbar bin.
- Was mir schwerfällt und was hilft.
- Mein Zuhause, wie es jetzt ist: der Grundriss mit dem, was wo passiert.
Papier und Embellishments dürfen hier das Gefühl tragen. Eine ruhige Seite in sanften Farben für etwas, das dir am Herzen liegt, eine vollere mit vielen Lagen für ein volles, chaotisches Jahr. Schreib auch ehrlich über die weniger schönen Zeiten. Gerade diese Seiten liest du später mit dem stärksten Wiedererkennen.
Wenn es von einem Ereignis kein Foto gibt
Manchmal gibt es einfach kein Foto. Das Handy lag zu Hause, der Moment war zu kurz oder es geht um etwas, das lange zurückliegt. Dann gibt es andere Wege, ein Bild zu finden.
Fotografier im Nachhinein, was noch da ist: den Ort, das Gebäude, die Bank, auf der es passiert ist. Oder fotografier einen Gegenstand, der dazugehört, etwa das Kleid, den Ring oder das Geschenk. Auch eine Landkarte vom Ort oder ein Stadtplan eignet sich gut als Hintergrund.
Geht es um jemanden, der nicht mehr da ist, wähl etwas, das du mit diesem Menschen verbindest: ein Lieblingslied, ein Buch oder ein Gericht. Ein Ausdruck der Noten oder eine eingescannte Seite aus dem Buch wird zu einem wunderschönen Hintergrund. Ein Plattencover oder Buchumschlag druckst du klein aus, ungefähr in Fotogröße. Schreib dazu, warum dieses Lied oder Buch so zu diesem Menschen gehört: Hat er immer mitgesungen, hat sie es wieder und wieder gelesen? Nimm pro Seite ein Thema, dann wird es nicht zu schwer und es wächst ganz von selbst eine Sammlung.
Verwendest du Bilder aus dem Internet, behalte sie für dein eigenes Buch. Willst du die Seite später teilen, prüf vorher, ob das erlaubt ist.
Wenn deine Kinder nicht mehr aufs Foto wollen
Viele Eltern merken es um die Pubertät herum: Die Kamera geht hoch und das Kind dreht sich weg. Zwingen bringt nichts und sorgt vor allem für mürrische Fotos. Zum Glück kannst du ein Kind auch gut festhalten, ohne dass es im Bild ist.
- Ihre Sachen: die Schuhe an der Tür, der Schreibtisch, der Bücherstapel neben dem Bett, der Hockeyschläger. So ein Foto sagt viel darüber, wer jemand in diesem Moment ist.
- Ihre eigenen Worte: Stell jedes Jahr dieselben Fragen. Was ist dein Lieblingsessen, wer sind deine Freunde, was willst du später mal werden? Lass sie es selbst aufschreiben. Ihre Handschrift ist nach ein paar Jahren selbst eine Erinnerung.
- Ihre Arbeiten: ein Zeugnis, eine Urkunde, eine Zeichnung, eine Eintrittskarte von einer Aufführung oder einem Spiel.
- Was du siehst: Schreib auf, was dir an ihnen auffällt, was sie lustig finden, worüber sie sich aufregen.
Frag sie auch einfach, ob sie selbst ein Foto von sich aussuchen wollen. Ein Selfie, das ihnen gefällt, geht auch. Dass sie mitentscheiden, was ins Buch kommt, macht viel aus. Ein Kind, das nicht aufs Foto will, will oft trotzdem gesehen werden, aber zu seinen eigenen Bedingungen.
Ein paar Dinge, auf die du achten kannst
Auch eine Seite ohne Foto braucht einen Blickfang. Wähl eine Sache, die die Aufmerksamkeit auf sich zieht, etwa den größten Textblock, ein auffälliges Ticket oder einen Titel, und bau darum herum. Halte den Rest kleiner und ruhiger.
Verwende nicht alles auf einmal. Drei oder vier Ephemera mit einem klaren Textblock lesen sich besser als zehn lose Papierchen ohne Zusammenhang. Und vergiss das Datum nicht: Ohne Foto weißt du später manchmal nicht mehr, in welchem Jahr etwas war.
Fang klein an. Nimm eine Liste, ein Ticket oder einen Brief und mach heute Abend eine Seite daraus.
Fragen zu diesem Thema
Kann man eine Scrapbook-Seite ohne Fotos gestalten?
Ja. Eine Seite kann sich um Text, eine Liste, eine Zeichnung, ein Ticket oder einen kleinen Gegenstand drehen. Scrapbooks gab es auch schon lange, bevor Fotos selbstverständlich waren.
Was sind Ephemera im Scrapbook?
Ephemera sind Papierchen, die eigentlich zum Wegwerfen gedacht sind, etwa Tickets, Kassenbons, Stadtpläne und Speisekarten. Auf den meisten stehen ein Datum oder ein Ort, deshalb erzählen sie, wo du warst.
Was kommt ins Scrapbook, wenn mein Kind nicht mehr aufs Foto will?
Halte dein Kind mit seinen Sachen, seinen eigenen Worten und seinen Arbeiten fest, etwa einer Zeichnung oder einem Zeugnis. Du kannst auch fragen, ob es selbst ein Foto aussuchen möchte.
Was tun, wenn es von einem Ereignis kein Foto gibt?
Fotografier im Nachhinein den Ort oder einen Gegenstand, der dazugehört, oder nimm eine Karte oder einen Stadtplan als Bild. Schreib dazu, was passiert ist und wann.


