Plotter für Papier wählen: Cricut, Silhouette oder Brother
Ein Schneideplotter schneidet alles, was du am Bildschirm gestaltest. Was kann er mehr als eine Stanzmaschine, wie unterscheiden sich die drei bekannten Marken und was kostet das wirklich?

Bei jedem Scrap-Treffen steht einer auf dem Tisch: eine schlanke Maschine, die summend Buchstaben, Blümchen und verschnörkelte Rahmen aus Cardstock schneidet. Ein Schneideplotter ist ein schönes Werkzeug, aber auch eine größere Anschaffung mit ein paar versteckten Kosten. Hier liest du, was so eine Maschine kann, wie sich die drei bekannten Marken unterscheiden und ob du überhaupt eine brauchst.
Was ein Schneideplotter anders macht als eine Stanzmaschine
Eine manuelle Stanzmaschine arbeitet mit Stanzschablonen. Für jede Form kaufst du eine Schablone, und diese Form hat eine feste Größe. Ein Schneideplotter arbeitet mit einem kleinen Messer, das über das Papier fährt, gesteuert von einer digitalen Datei. So kannst du:
- jede Form schneiden, die du zeichnen oder herunterladen kannst, in jeder Größe
- Titel in jeder Schrift machen, die auf deinem Computer installiert ist
- ein Foto oder eine Zeichnung entlang des Rands ausschneiden lassen, mit der Funktion Print-then-Cut: Du druckst es zuerst aus, und die Maschine schneidet es danach genau aus
- mit einem Stift statt mit dem Messer schreiben oder zeichnen
- Vinyl und Flexfolie schneiden, für Sticker, Etiketten und Textilien
Was ein Schneideplotter meist nicht kann, ist Prägen. Relief mit einem Prägefolder bleibt das Gebiet der Stanzmaschine. Auch dicke Materialien wie Filz, Pappe oder dickes Leder schneidet eine normale Stanzmaschine mit stabilen Schablonen oft besser.
Die Stanzmaschine ist schnell und einfach, sobald du die Schablone hast. Der Plotter ist viel freier, aber du arbeitest über einen Bildschirm.
Cricut, Silhouette und Brother im Vergleich
Alle drei bauen gute Maschinen, und mit jeder Marke sind Leute zufrieden. Der Unterschied liegt vor allem in der Arbeitsweise.
Cricut hat mehrere Produktlinien. Die kleinste ist eine kompakte Maschine für Karten, Etiketten und kleine Sticker, mit geringer Schnittbreite. Die mittlere ist der Allrounder für Papier, Vinyl und Flexfolie. Die größte Linie hat mehr Kraft und Messer für Stoff, dünnes Holz und dickere Materialien. Du arbeitest in der App der Marke, am Computer, Tablet oder Handy, mit einem Konto. Achtung: Die Messer, Stifte und Matten der kleinsten Maschine passen oft nicht auf die größeren Modelle, und umgekehrt. Steigst du später auf eine größere Maschine um, musst du beim Zubehör manchmal von vorn anfangen. Ob du auch ohne Internetverbindung arbeiten kannst, hängt vom Gerät und von der App-Version ab.
Silhouette baut die Cameo, eine Maschine mit einer Schnittbreite von etwa 30 cm, passend für Bögen von 30,5 × 30,5 cm (12 × 12 Zoll). Es gibt auch ein kleineres Modell und eine Maschine, die neben dem Schneiden auch prägen und gravieren kann. Du arbeitest vor allem im eigenen Designprogramm am Computer. Viele Scrapper finden die Cameo bei feinen Formen und kleinen Details sehr präzise. Das Programm braucht laut vielen Nutzerinnen und Nutzern allerdings etwas mehr Einarbeitung.
Brother ScanNCut ist der Außenseiter: Er hat einen eingebauten Scanner und einen Touchscreen. Du legst eine Zeichnung, einen Stempelabdruck oder ein Stück Designpapier auf die Matte, die Maschine scannt es und schneidet die Kontur aus. Zum Start brauchst du keinen Computer, denn im Speicher sind Motive hinterlegt, und du kannst Dateien per USB-Stick laden. Wer doch am Bildschirm gestalten möchte, nutzt die Software oder App der Marke. Neuere Modelle erkennen die Materialstärke und stellen das Messer selbst ein. Mit dem passenden Zubehör schneidet er auch Stoff, was ihn bei Leuten beliebt macht, die auch quilten oder nähen.
Was bei der Wahl hilft:
- Möchtest du vor allem ohne Computer arbeiten und Dinge scannen, passt ein ScanNCut.
- Möchtest du viele feine, kleine Formen schneiden und stört dich ein Computerprogramm nicht, schauen viele Scrapper auf eine Cameo.
- Möchtest du vom Tablet oder Handy aus arbeiten, mit einer großen Bibliothek fertiger Projekte, liegt Cricut nahe.
- Machst du vor allem Karten und kleine Dinge, reicht ein kleines Modell. Gestaltest du Seiten von 30 × 30 cm, wähle eine Maschine, die diese Breite schafft.
Software und Abos: Was kostet es wirklich?
Der Preis der Maschine ist nur ein Teil. Rechne auch mit:
- Motiven. Jede Marke hat einen eigenen Shop oder eine Bibliothek mit Dateien. Ein Teil ist kostenlos, den Rest kaufst du einzeln oder über ein Abo. Bei Cricut steckt ein Teil der Schriften und Bilder hinter einem kostenpflichtigen Abo oder muss einzeln gekauft werden. Bei Silhouette gilt das für den Design-Shop, und manche Funktionen des Programms gibt es nur in einer kostenpflichtigen Version. Welche das sind, ändert sich mit der Zeit.
- Matten. Die Klebeschicht nutzt sich ab. Es gibt Matten mit leichter, normaler und starker Haftung: leicht für dünnes Papier und Vellum, normal für Cardstock, stark für dickere Materialien.
- Messern. Ein stumpfes Messer reißt, statt zu schneiden. Hab immer ein Ersatzmesser im Haus.
- Speziellen Materialien wie Vinyl, Flexfolie und Stickerpapier.
Die gute Nachricht: Du musst keine Motive der Marke kaufen. Es gibt viele kostenlose und kostenpflichtige SVG-Dateien, das übliche Dateiformat für Schneideplotter. Prüf aber, ob dein Programm SVG öffnen kann: Bei manchen Programmen geht das nur in einer kostenpflichtigen Version. Möchtest du deine Werke auch verkaufen, lies die Lizenz: Nicht jede kostenlose Datei darfst du kommerziell nutzen. Deine eigenen Schriften kannst du meist einfach verwenden.
Wenn du unsicher bist, schau vor dem Kauf nach, was die kostenlose Version der Software kann. Dann weißt du gleich, ob du ein Abo brauchst.
Welche Materialien kannst du schneiden?
Jeder gängige Schneideplotter schneidet:
- Papier und Cardstock, auch mit Struktur und Glitzer
- Vellum, auf einer Matte mit leichter Haftung
- Vinyl und Flexfolie
- Stickerpapier und Magnetfolie
- dünnen Karton und Moosgummi
Für Stoff, Filz, Leder, dünnes Holz und dicke Pappe brauchst du ein stärkeres Modell oder ein spezielles Messer. Schau dafür nach, was der Hersteller selbst angibt, denn das ist von Maschine zu Maschine sehr unterschiedlich.
Ein paar Dinge, die Scrapper selbst herausgefunden haben:
- Mach immer zuerst einen Probeschnitt, auch bei Papier, das du schon kennst. Zwei Sorten Cardstock mit derselben Grammatur können sich unterschiedlich schneiden.
- Sehr kleiner Text, unter etwa einem halben Zentimeter, reißt oft. Nimm eine dickere Schrift oder mach sie größer.
- Bleiben Schnipsel am Messer hängen oder reißt das Papier, prüf, ob die Matte noch klebt und ob das Messer scharf ist. Billiger, dünner Cardstock macht auch viel aus.
- Biege nach dem Schneiden die Matte vom Papier weg, statt das Papier von der Matte zu ziehen. Dann wellt es sich nicht.
Ist ein Schneideplotter etwas für Anfänger?
Ja, wenn es dich nicht stört, mit Software zu arbeiten. Das Schwierige liegt selten an der Maschine selbst, sondern am Programm und daran, für jedes Material die richtigen Einstellungen zu finden. Wer an Tablet oder Computer gewöhnt ist, schneidet nach einem Nachmittag die ersten Titel aus.
Trotzdem lohnt sich ein ehrlicher Blick auf dich selbst. Hast du gerade erst mit dem Scrapbooking angefangen, weißt du noch nicht genau, was du brauchst. Ein Plotter lohnt sich vor allem, wenn du oft Titel, Etiketten oder wiederkehrende Formen machst oder auch außerhalb des Scrapbookings Dinge schneiden möchtest, etwa Sticker oder Textilien.
Denk auch an Geräusch und Platz. Ein Plotter summt und rattert und braucht Raum für die Matte, die vorn und hinten aus der Maschine herausragt.
Alternativen ohne Schneideplotter
Du kannst wunderschöne Seiten ohne Maschine gestalten. Ein paar Möglichkeiten:
- Ein scharfes Cuttermesser, ein Metalllineal und eine Schneidematte. Für Titel druckst du einen Text spiegelverkehrt auf die Rückseite deines Cardstocks und schneidest ihn von Hand aus.
- Eine manuelle Stanzmaschine mit ein paar vielseitigen Schablonen, etwa einem Alphabet und einem Set Kreise.
- Motivstanzer für kleine Formen und Ecken.
- Fertige Die Cuts, die zu deiner Papierkollektion passen.
- Buchstabensticker oder gestempelte Titel.
- Ausleihen oder ausprobieren. In vielen Scrap-Gruppen und Bastelcafés gibt es jemanden mit Plotter, und bei einem Scrap-Treffen kannst du oft mal zuschauen.
Das Letzte ist vielleicht der beste Tipp. Schneide einen Nachmittag lang an der Maschine von jemand anderem mit, und du weißt sofort, ob dir die Arbeit über einen Bildschirm Spaß macht. Dann kaufst du mit mehr Sicherheit, oder du behältst das Geld für Papier.
Fragen zu diesem Thema
Was ist der Unterschied zwischen Plotter und Stanzmaschine?
Eine Stanzmaschine arbeitet mit Schablonen, jede mit einer festen Form und Größe. Ein Schneideplotter schneidet mit einem kleinen Messer nach einer digitalen Datei, du kannst also jede Form in jeder Größe machen.
Cricut, Silhouette oder Brother ScanNCut: Was ist der Unterschied?
Mit Cricut und Silhouette arbeitest du vor allem mit Software am Computer, Tablet oder Handy. Der ScanNCut hat einen eingebauten Scanner und Touchscreen, sodass du eine Zeichnung oder Papier ohne Computer scannen und ausschneiden kannst.
Welche Folgekosten hat ein Plotter?
Neben der Maschine zahlst du für Matten, Messer, spezielle Materialien und manchmal für Motive oder ein Abo. Du kannst auch kostenlose und kostenpflichtige SVG-Dateien nutzen, und deine eigenen Schriften.
Welche Materialien kann ein Plotter schneiden?
Papier, Cardstock, Vellum, Vinyl, Flexfolie, Stickerpapier und dünner Karton klappen meist gut. Für Stoff, Filz, Leder und dicke Pappe brauchst du oft ein stärkeres Modell oder ein spezielles Messer.


