Ein Familienalbum mit alten Fotos und Dokumenten gestalten
Ein Schuhkarton voller alter Fotos, Briefe und ein Familienstammbuch: So machst du daraus ein Familienalbum, das die Geschichte erzählt und die Originale schont.

Fast jede Familie hat eine: eine Schachtel mit Fotos von Menschen, die niemand mehr beim Namen nennen kann, ein Familienstammbuch, ein paar Briefe in einer Handschrift, die du kaum lesen kannst. Ein Familienalbum macht aus diesen einzelnen Stücken eine Geschichte. Und es sorgt dafür, dass die Namen und Erinnerungen nicht mit der letzten Generation verschwinden, die sie noch kennt.
Mit Sammeln und Sortieren anfangen
Trag zuerst alles zusammen: Fotos aus Kartons, alten Alben und vom Dachboden, aber auch von Onkeln, Tanten, Cousins und Cousinen. Frag gezielt nach Dokumenten wie Geburts- und Heiratsurkunden, Zeugnissen, Briefen, Rezepten, Sterbebildchen und Karten. Fotos ohne Menschen sind genauso wertvoll: das Elternhaus, das erste Auto, das Dorf, wie es aussah, bevor das Neubaugebiet kam.
Sortiere danach grob, zum Beispiel nach Person, nach Familie oder nach Zeitraum. Nimm dafür Archivboxen oder Mappen mit Registern. So findest du beim Arbeiten schnell, was du suchst, und auch die Fotos, die nicht ins Album kommen, bleiben gut aufbewahrt.
Es hilft, schon in dieser Phase aufzuschreiben, was du weißt. Bitte die ältesten Familienmitglieder, die Fotos mit dir durchzugehen. Ein Nachmittag zusammen am Tisch mit einer Kiste Fotos bringt oft mehr Geschichten hervor, als du in einem Jahr allein herausfinden kannst.
Eine Geschichte wählen
Ein Familienalbum wird übersichtlicher, wenn du vorher einen roten Faden wählst. Drei Formen funktionieren gut:
- Nach Person. Jeder Opa, jede Oma oder Großtante bekommt ein eigenes Kapitel. Praktisch, wenn du viel Material pro Person hast, etwa Briefe oder ein Soldbuch.
- Nach Generation. Du beginnst bei der ältesten Generation und arbeitest dich bis heute vor. Das passt schön zu einem Stammbaum und zeigt gut, wie die Familie gewachsen ist.
- Nach Ort. Der Bauernhof, die Straße in der Stadt, das Land, aus dem ein Teil der Familie stammt. Ein Ort verbindet Menschen, die sich nie gekannt haben.
Du kannst dich auch für wiederkehrende Momente entscheiden, etwa Hochzeiten oder Weihnachtstage über die Jahre. Wenn du unsicher bist, schau, wovon du am meisten hast. Das Material zeigt oft selbst den Weg.
Ein großes Projekt wird machbar, wenn du zuerst ein Gerüst baust. Verteil dein Material auf Seiten oder Kapitel, bevor du anfängst zu kleben. Danach arbeitest du Seite für Seite und musst nicht ständig das ganze Projekt im Blick haben.
Originalfotos oder Kopien verwenden?
Bei Erbstückfotos lautet die Antwort meist: Kopien. Alte Fotos sind empfindlich. Beim Zuschneiden können Ränder abbröckeln und die Fotoschicht kann reißen. Kleber lässt sich mit der Zeit schlecht entfernen und kann das Papier verziehen. Außerdem gibt es von einem alten Foto oft nur einen einzigen Abzug.
Eine sichere Arbeitsweise:
- Scanne jedes Foto und jedes Dokument in hoher Auflösung, bevor du irgendetwas anderes machst. Speichere die Dateien an zwei Orten.
- Druck die Scans im Format aus, das du brauchst. Ein kleines Foto darf im Album ruhig größer sein.
- Bessere Risse, Kratzer und Verblassungen bei Bedarf digital aus, bevor du druckst. Das Original bleibt unberührt.
- Bewahre die Originale dunkel, kühl und trocken auf, in fotosicheren Hüllen oder einer Archivbox (mehr dazu liest du im Artikel über das sichere Aufbewahren von Fotos).
Möchtest du trotzdem ein Original ins Album bringen, nimm Fotoecken statt Kleber. Dann kannst du das Foto später wieder herausnehmen oder neu scannen lassen. Schneide nie in ein Original.
Dokumente, Briefe und Zeitungen einbinden
Gerade die Dokumente machen ein Familienalbum zu etwas anderem als einem gewöhnlichen Fotoalbum. Ein handgeschriebener Brief sagt etwas über einen Menschen, das kein Foto zeigen kann.
Auch hier arbeitest du am besten mit Kopien. Eine gescannte Heiratsurkunde oder die Kopie eines Briefs kannst du ausschneiden, verkleinern und neben ein Foto kleben, ohne das Original zu beschädigen. Eine Kopie auf elfenbeinfarbenem Papier passt außerdem schön zu alten Fotos.
Ein paar Möglichkeiten, Dokumenten einen Platz zu geben:
- Lange Briefe faltest du in einen Umschlag, den du auf die Seite klebst. Wer das Album liest, kann den Brief herausnehmen und lesen.
- Kleine Originale wie ein Sterbebildchen oder eine Zugfahrkarte kommen in eine durchsichtige, fotosichere Hülle.
- Ein großes Erbstück wie ein Brautkleid, ein Quilt oder eine Taschenuhr wird fotografiert und als Foto aufgenommen.
- Zeitungen verfärben sich schnell und können andere Stücke angreifen. Nimm eine Kopie und bewahre das Original getrennt auf.
Ein Stammbaum ist eine starke Eröffnungs- oder Zwischenseite. Lässt du ihn auf einer Doppelseite drucken, achte auf eine hohe Auflösung, damit auch kleine Namen und Jahreszahlen lesbar bleiben.
Alte und neue Fotos kombinieren
Ein Familienalbum muss nicht bei Opa und Oma aufhören. Wenn du alte und neue Fotos kombinierst, zeigst du, wie die Geschichte weitergeht.
- Stell ein altes und ein neues Foto vom selben Ort nebeneinander. Das Haus, die Kirche, der Hafen: Oft ist der Unterschied überraschend groß, oder eben gerade nicht.
- Gestalte eine Generationenseite mit einem Foto jeder Generation im gleichen Alter oder in der gleichen Pose.
- Lass alte Schwarz-Weiß-Fotos und neue Farbfotos ruhig zusammenwirken, indem du eine schlichte Farbpalette wählst: Creme, Kraft, Grau und eine Akzentfarbe. Du kannst neue Fotos auch in Schwarz-Weiß oder Sepia drucken, damit alles ruhig wirkt.
Geh sparsam mit Verzierungen um. In einem Heritage-Album sind die Fotos und die Geschichten das Wichtigste. Klassisches Papier mit leichter Struktur und zurückhaltenden Farben sieht auch in dreißig Jahren noch schön aus. Lieber mehr Platz für Text als eine zusätzliche Schleife.
Namen, Daten und Geschichten festhalten
Das ist der wichtigste Teil des ganzen Albums. Ein Foto ohne Namen ist in zwei Generationen ein Foto von Unbekannten. Schreib deshalb zu jedem Foto mindestens:
- wer darauf zu sehen ist, mit Vor- und Nachnamen, und in welcher Beziehung die Personen zur Familie stehen
- wo das Foto aufgenommen wurde
- wann, so genau du es weißt, oder geschätzt mit „um“
- was passiert ist und warum das Foto aufgehoben wurde
Nimm einen Stift mit wasserfester, lichtechter Tinte, am besten schwarz. Beschrifte auch die Rückseite loser Fotos, leicht und am Rand, mit weichem Bleistift oder einem Fotostift. Hält Bleistift auf einer glatten Rückseite nicht, schreib auf die Hülle oder auf ein beigelegtes Kärtchen. So bleiben die Informationen beim Foto, falls es jemals aus dem Album genommen wird.
Lass Platz für die Geschichte hinter dem Foto. Dass Opa jeden Sonntag mit dem Fahrrad zur Kirche fuhr, dass Omas Apfelkuchenrezept nie genau aufgeschrieben wurde, dass die Familie im Krieg umgezogen ist. Gerade diese kleinen Dinge machen das Album lebendig. Bist du dir bei etwas nicht sicher, schreib das ehrlich dazu. Ein Fragezeichen ist besser als ein erfundener Name.
Nimm auch Geschichten von Familienmitgliedern auf, die heute leben. Schreib sie so auf, wie sie erzählt werden, mit dem Namen der erzählenden Person. In fünfzig Jahren ist das genauso wertvoll wie die alten Fotos selbst.
Ein Album für mehrere Familienmitglieder
Möchten Brüder, Schwestern, Cousins oder Cousinen auch ein Exemplar, gibt es grob zwei Wege.
Der erste ist, digital zu arbeiten. Du gestaltest die Seiten am Computer mit deinen Scans und lässt das Album als Fotobuch in so vielen Exemplaren drucken wie nötig. Das ist der einfachste Weg, allen dasselbe Buch zu geben.
Der zweite ist ein Album aus Papier, von dem du Scans oder Fotos machst. Du gestaltest ein Original von Hand, scannst oder fotografierst jede Seite sorgfältig und lässt sie als Buch drucken. So bleibt die Handarbeit des Originals sichtbar, und trotzdem hat jede und jeder ein eigenes Exemplar. Das gibt auch ein beruhigendes Gefühl von Sicherheit: Brennt irgendwo etwas ab oder geht ein Album verloren, ist die Geschichte noch bei den anderen.
Wer lieber für jedes Familienmitglied ein echtes handgemachtes Album gestaltet, arbeitet am einfachsten mit derselben Reihe Kopien für jedes Buch. Mach pro Seite zuerst ein Muster und wiederhole es dann. Wähl ein Album, in das du Seiten einfügen kannst, etwa einen Ringordner oder ein Schraubalbum, damit später Ergänzungen dazukommen können.
Gut für das Album selbst sorgen
Ein Familienalbum hält lange, wenn du es gut aufbewahrst. Stell es nicht auf den Dachboden oder in den Keller, sondern an einen Platz in der Wohnung, an dem Temperatur und Feuchtigkeit wenig schwanken. Eine Schachtel oder Hülle schützt vor Licht und Staub. Halte die Seiten flach: Bei zu viel Verzierung schließt das Album nicht mehr richtig, und Licht und Staub kommen hinein.
Und mach es fertig. Ein Familienalbum muss nicht vollständig sein, um wertvoll zu sein. Ein erster Band mit der ältesten Generation ist schon ein Geschenk an alle, die nach dir kommen.
Fragen zu diesem Thema
Wie gestalte ich ein Familienalbum mit alten Fotos?
Sammle und sortiere zuerst alle Fotos und Dokumente, wähl einen roten Faden (nach Person, Generation oder Ort) und scanne alles, bevor du anfängst. Verwende im Album Kopien und schreib zu jedem Foto wer, wo, wann und warum.
Sollte man alte Fotos lieber nicht ins Album kleben?
Bei Erbstückfotos arbeitest du am besten mit Kopien. Möchtest du trotzdem ein Original ins Album bringen, nimm Fotoecken statt Kleber, damit du das Foto später wieder herausnehmen kannst. Schneide nie in ein Original.
Was schreibt man zu alten Familienfotos?
Schreib mindestens auf, wer darauf zu sehen ist (mit Vor- und Nachnamen und Beziehung zur Familie), wo und wann das Foto aufgenommen wurde und was passiert ist. Bist du dir bei etwas nicht sicher, schreib „um“ oder ein Fragezeichen dazu.
Wie mache ich ein Familienalbum für mehrere Familienmitglieder?
Gestalte die Seiten digital und lass das Album als Fotobuch in so vielen Exemplaren drucken wie nötig. Du kannst auch ein Album von Hand machen, jede Seite scannen und sie als Buch drucken lassen.


