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Erklärt · 6 Min. Lesezeit

Scraplift und CASE: Darfst du fremde Seiten nachmachen?

Du siehst eine Seite und denkst: So will ich das auch. Was Scraplift und CASE bedeuten, wo die Grenze liegt und wie du trotzdem etwas Eigenes daraus machst.

Hand verziert eine Journalseite mit Fotos und Stickern auf einer braunen Tischplatte
Foto: cottonbro studio · Pexels

Du siehst eine Seite von einer anderen Scrapperin und weißt sofort: Genau so will ich meine Urlaubsfotos auch haben. Darf man das? Meistens schon, solange du den Aufbau leihst und nicht das Werk selbst. Scrapper machen das seit Jahren, sie haben sogar eigene Wörter dafür. Du musst nur wissen, was du übernimmst und wie du das fair machst.

Was bedeuten Scraplift und CASE

Ein Scraplift ist eine Seite, die du auf Grundlage des Layouts von jemand anderem gestaltest. Layout ist das englische Wort für den Aufbau einer Seite. Der Begriff setzt sich aus Scrapbooking und dem englischen lift zusammen, im Sinne von etwas „leihen“ oder „mitnehmen“. Du nimmst den Aufbau einer anderen Person als Ausgangspunkt, füllst ihn aber mit deinen eigenen Fotos, deiner eigenen Geschichte und deinem eigenen Material.

CASE ist eine Abkürzung aus der Kartenwelt, die dieselbe Idee beschreibt. Es gibt zwei Erklärungen: Copy And Selectively Edit, also kopieren und selbst anpassen, und Copy And Share Everything, also kopieren und das Ergebnis wieder teilen. Beide meinen dasselbe: Du nimmst ein Design, das dich anspricht, und machst deine eigene Version daraus.

Online haben viele Scrapbooking-Gruppen feste Challenges dafür. Alle nehmen dieselbe Seite als Vorlage und zeigen danach, was daraus geworden ist. Es gibt sogar eine Kettenvariante, bei der du jeweils die Seite der Person vor dir liftest. Das Schöne daran: Du siehst, wie unterschiedlich zwanzig Leute denselben Aufbau füllen.

Wo liegt die Grenze zwischen Inspiration und Kopieren

Ein Scraplift ist keine Fotokopie. Du leihst die Struktur: wo die Fotos sitzen, wie der Titel verläuft, wo die Deko ist. Was du nicht leihst, ist das Werk einer anderen Person selbst.

Das ist meistens völlig in Ordnung:

  • dieselbe Aufteilung von Fotos, Titel und Journaling (dem Text, den du zu deinen Fotos schreibst) verwenden
  • ein Farbschema oder eine Technik übernehmen
  • eine Idee für einen Titel oder eine Deko mit deinem eigenen Material umsetzen

Das lässt du besser:

  • die Fotos, Zeichnungen oder Texte einer anderen Person verwenden
  • eine geliftete Seite so zeigen, als hättest du sie dir selbst ausgedacht
  • eine geliftete Seite bei einem Wettbewerb oder einem Designteam einreichen, bei dem eigene Arbeiten verlangt sind
  • das Design einer anderen Person nachmachen, um es zu verkaufen

Eigentlich kannst du die Seite einer anderen Person kaum wirklich kopieren. Du hast nie genau dasselbe Papier, dieselben Sticker und dieselben Fotos. Sobald du anfängst, lenken deine eigenen Hände und Materialien alles schon in eine andere Richtung.

Eine kurze Anmerkung zum Urheberrecht: Eine Idee oder ein Aufbau ist meistens nicht geschützt, die konkrete Ausführung dagegen schon, etwa ein Foto, eine Zeichnung, ein Text oder ein ganz bestimmtes Design. Das ist eine allgemeine Erklärung und keine Rechtsberatung. Bist du unsicher, frag die Person, die die Seite gemacht hat, um Erlaubnis oder wende dich an eine Juristin oder einen Juristen.

Eine Seite analysieren: Was übernimmst du

Ein guter Scraplift beginnt mit Hinsehen. Warum spricht dich diese Seite an? Oft sind es nur ein oder zwei Dinge. Leg die Seite vor dich hin oder öffne sie auf deinem Bildschirm und geh diese Punkte durch:

  1. Fotos. Wie viele sind es, wie groß, stehen sie in einer Reihe, als Block oder verteilt? Welches Foto fällt am meisten auf?
  2. Form und Aufteilung. Arbeitet die Seite mit Flächen, Streifen, einem Kreis, einem Raster? Wo bleibt Platz frei?
  3. Farbe. Wie viele Farben siehst du, und welche ist die Hauptfarbe? Ist der Hintergrund einfarbig oder gemustert?
  4. Titel. Wo steht er, wie groß, gerade oder schräg, aus Stickern oder von Hand?
  5. Journaling. Wie viel Text steht da, und wo?
  6. Deko. Ist alles verteilt, oder sitzt es in Grüppchen zusammen? Diese Grüppchen heißen Cluster.

Entscheide danach, was du mitnimmst. Manche Scrapper halten sich an eine Faustregel: Übernimm drei Elemente, zum Beispiel die Position des Fotos, die Form des Titels und den Cluster unten links. Den Rest füllst du selbst. So bleibt es ein erkennbarer Lift, aber es wird deine Seite.

Ein praktischer Trick: Mach eine schnelle Skizze des Aufbaus, nur mit Rechtecken und Linien. Dann siehst du die Struktur ohne Farben und Muster. Diese Skizze kannst du später noch oft verwenden.

Wie nennst du die Quelle

Zeigst du deine Seite, online oder in einer Gruppe, dann nennst du, woher deine Inspiration stammt. Das ist in der Scrapbooking-Welt eine feste Höflichkeit. Kompliziert muss das nicht sein.

  • Schreib dazu, dass es ein Scraplift ist oder inspiriert von, und nenn den Namen der Person, die die Seite gemacht hat.
  • Setz, wo es geht, einen Verweis auf die Originalseite dazu.
  • In Challenge-Gruppen zeigst du die Vorlage oft neben deiner eigenen Seite. Halte dich dann an die Regeln der Gruppe.
  • Sag der Person ruhig, dass du ihre Seite geliftet hast. Fast alle freuen sich darüber.

Behältst du die Seite nur für dich in deinem eigenen Album, musst du nichts dazuschreiben. Ein kleiner Zettel auf der Rückseite oder in deinem Notizbuch, woher die Idee kam, ist aber praktisch, wenn du sie später noch mal wiederfinden willst.

Deine eigene Note hineinbringen

Je mehr du veränderst, desto mehr wird die Seite zu deiner. Du musst nicht alles umwerfen. Such dir ein oder zwei Änderungen aus:

  • Spiegle oder dreh den Aufbau. Was links war, kommt nach rechts. Ein Aufbau im Querformat wird zum Hochformat.
  • Pass die Zahl der Fotos an. Hat die Vorlage drei Fotos und du hast ein gutes? Mach ein großes daraus und füll den Rest mit Journaling.
  • Nimm deine Farben aus deinen Fotos, nicht aus der Vorlage. Eine andere Farbe macht einen Aufbau überraschend anders.
  • Verwende eine andere Technik für denselben Effekt. Wo die Vorlage gestanzte Blumen hat, kannst du sie von Hand ausschneiden, stempeln oder aus Designpapier holen.
  • Fang bei deiner Geschichte an. Was willst du über diese Fotos erzählen? Lass dir vom Aufbau helfen, aber lass die Erinnerung bestimmen, was wichtig ist.

Probier es auch mal blind: Lass dir den Aufbau einer Seite von jemandem in Worten beschreiben, ohne dass du die Vorlage siehst. Vergleich danach. Dann siehst du genau, was dein eigener Geschmack dazugibt.

Viele Scrapper fangen fast nur mit Scraplifts an. Nach einer Weile merkst du, dass du ganz von selbst verstehst, warum ein Aufbau funktioniert. Dann liften sie weniger wörtlich und gestalten immer öfter etwas aus dem Nichts. Ein Lift ist also keine Abkürzung, sondern eine Art zu lernen.

Darfst du eine eigene alte Seite neu gestalten

Ja, immer. Eine eigene Seite wiederzuverwenden nennt man auch Selflift, und es ist einer der praktischsten Tricks überhaupt. Ein Aufbau, der für deinen Urlaub im letzten Jahr gut funktioniert hat, passt oft auch für einen Geburtstag oder einen ganz normalen Sonntag.

Blätter mal durch deine eigenen Alben und such die Seiten, die du immer noch schön findest. Was haben sie gemeinsam? Da steckt dein eigener Stil. Nimm so eine Seite als Ausgangspunkt und füll sie mit neuen Fotos und anderem Papier.

Es ist auch eine schöne Art zu sehen, wie du dich entwickelt hast. Leg deine ersten Seiten neben eine Seite von heute, mit demselben Aufbau. Der Unterschied sagt oft mehr als jeder Kurs.

Fragen zu diesem Thema

Was ist ein Scraplift?

Ein Scraplift ist eine Seite, die du auf Grundlage des Layouts von jemand anderem gestaltest. Du leihst den Aufbau, füllst ihn aber mit deinen eigenen Fotos, deiner Geschichte und deinem Material.

Was bedeutet CASE beim Scrapbooking und Kartenbasteln?

CASE wird meistens als Copy And Selectively Edit erklärt, also kopieren und selbst anpassen. Man hört auch Copy And Share Everything, also kopieren und das Ergebnis teilen.

Darf man eine Scrapbook-Seite von jemand anderem nachmachen?

Meistens schon, wenn du nur den Aufbau leihst, etwa die Position der Fotos und des Titels. Die Fotos, Zeichnungen und Texte einer anderen Person verwendest du nicht, und du nennst die Person, von der die Vorlage stammt, wenn du deine Seite zeigst.

Wie gibt man einem Scraplift eine eigene Note?

Spiegle den Aufbau, pass die Zahl der Fotos an, nimm Farben aus deinen eigenen Fotos oder verwende eine andere Technik für denselben Effekt. Fang bei deiner Geschichte an und lass dir vom Aufbau dabei helfen.

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